Neue Perspektiven: Geschichte lebendig machen

In einer außergewöhnlichen Kulisse gestaltete die Klasse 10a am 12.06. im Residenzschloss Rastatt in der Ausstellung der Bundesarchiv-Erinnerungsstätte einen eigenen Rundgang durch die DDR-Geschichte. Anstatt den üblichen Erläuterungen eines Museumsführers zu folgen, übernahmen die Jugendlichen aktiv selbst Verantwortung für ihr historisches Lernen. Unter dem Motto „Jugend zwischen Anpassung und Auflehnung“ konnten sie abschließend ihre eigene Rolle in der heutigen Gesellschaft reflektieren.

Die Jugendlichen spannten den Bogen von den Freiheitsbewegungen zwischen 1945 und 1961 bis hin zum friedlichen Umbruch 1989. Mit Hilfe von Exponaten, etwa der Schärpe „Keine Gewalt“, veranschaulichten sie sich gegenseitig, wie die Strategie der Friedensgebete und der zivile Ungehorsam letztlich das SED-Regime in die Knie zwangen.

Ein besonderer Fokus der Präsentation lag auf den „parallelen Welten“ der DDR-Jugend. Die Gruppe beleuchtete nicht nur den Druck durch die FDJ, sondern auch die Subkulturen der Punks und die kreativen Nischen, in denen sich junge Menschen der staatlichen Indoktrination entzogen. Originale Relikte aus der Zeit der Staatssicherheit (Stasi) wie beispielsweise Geruchsproben für Hunde sowie abgehörte Gespräche von Freunden und Verwanden verdeutlichten, wie sich das Leben im einem Überwachungsstaat anfühlte.

„Es ist etwas völlig anderes, die Geschichte in einem Lehrbuch zu lesen oder hier vor einem originalen Mauersegment zu stehen“, erklärte die Geschichtslehrerin Elvira Schulz. Historisches Erinnern sei vor allem Grundlage für das Verständnis der Gegenwart und präge die Gestaltung der Zukunft. Die eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit dem Thema Diktatur und Überwachungsstaat habe nicht nur das historische Wissen vertieft, sondern ermögliche auch ein Gespür dafür, wie wertvoll die Freiheiten sind, die heute oft als selbstverständlich angesehen werden.